Sie haben die Bewerbungsphase erfolgreich überstanden, stehen voller Begeisterung vor dem Start Ihrer Karriere, freuen sich auf Ihren Traumjob – und sollen nun in eine sechsmonatige Probezeit gehen? Spätestens zu diesem Zeitpunkt fragt sich jeder Berufseinsteiger: Wozu soll diese Probezeit gut sein? Der Arbeitsvertrag ist doch unterschrieben! Vertraut mir der Arbeitgeber nicht?
Keine Panik, Sie können ganz beruhigt sein. Denn: Die sogenannte Probezeit dient beiden Seiten, es ist also kein einseitiger Deal. Sowohl das Unternehmen als auch der erfolgreich angenommene Bewerber können in dieser Kennenlernphase austesten, ob sie wirklich zusammenpassen. Nutzen Sie diese Zeit effektiv; nur so können Sie herausfinden, ob Sie wirklich den erhofften Traumjob „ergattert“ haben und in der Firma langfristig glücklich werden. Aber natürlich ist es auch eine Art zweite Bewerbungsphase. Sie müssen nun dem Unternehmen Ihre Qualifikationen, Ihre Mehrwerte, Ihren Motivation und vor allem Ihre soziale Kompetenz aktiv zeigen.

Übrigens, eine Probezeit ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Sie ist aber bei fast allen Unternehmen ein fester Bestandteil der Einstellungsphase neuer Mitarbeiter. In der Regel umfasst sie sechs Monate, in abweichenden Fällen kann sie –meist nach individuellen Verhandlungen- drei Monate betragen.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrem zukünftigen Arbeitgeber!

Bereiten Sie sich vor Ihrem Start im neuen Unternehmen gründlich vor. Recherchieren Sie online über Ihren neuen Arbeitgeber und den zukünftigen Job. Sind vielleicht sogar Freunde oder Bekannte im neuen Kollegen-Kreis? Fragen Sie sie, welche Erfahrungen sie in dem Unternehmen gemacht haben.

Bereiten Sie sich mental vor!

Viele Berufseinsteiger unterschätzen den „Realitätsschock“ der ersten Tage in der neuen Arbeitsumgebung. Denn: Bisher kennen Sie das Unternehmen, die neuen Kollegen und die vorherrschende Atmosphäre ja noch gar nicht. Zahlreiche Eindrücke werden auf sie einstürmen. Sie werden nervöser sein als Sie dachten, sicherlich in der ersten Woche keine emotional-engen Job-Freundschaften schließen. Und, ja, Sie werden sich immer wieder fragen: Entspricht das alles wirklich meinen Vorstellungen? Tipp: Lassen Sie es ruhig angehen. Bewerten Sie Ihre neue Kollegen und das Geschehen um Sie herum nicht. Lassen Sie die für Sie neue Unternehmenskultur auf Sie einwirken, machen Sie sich ein Gesamtbild und beobachten Sie die Arbeitsabläufe. In der Probezeit gilt ein abgewandeltes Kennedy-Sprichwort: Fragen Sie nicht, was das Unternehmen für Sie tun kann – fragen Sie, was Sie für das Unternehmen tun können.

Überzeugen Sie mit Ihrem Verhalten!

Eigentlich ist es ganz einfach: Lächeln Sie! Seien Sie freundlich! Hören Sie zu! Treten Sie stets höflich auf, zeigen Sie sich teamfähig, lernbereit und sich Ihrer Rolle als „Neuling in der Probezeit“ bewusst. Lernen Sie von Ihren Kollegen. Stellen Sie Fragen. In der Probezeit Interesse zu zeigen, fällt den Verantwortlichen positiv auf, schlägt auf das „Soziale Kompetenz“-Konto ein. Aber aufgepasst: Zu viele Fragen können allerdings schnell auch nerven. Und, ein wichtiger Punkt: Integrieren Sie sich in die bestehenden Strukturen.

Ein absolutes No-Go ist das umgehend offene Aussprechen von Punkten, die Sie gerne kritisieren würden wie zum Beispiel die Essensqualität in der Kantine, eventuelle Überstunden, die Qualität der Stühle, Ihr Arbeitsbereich (zu klein, Licht zu hell etc.) oder sogar die Kollegen.

Freundlicher Mitarbeiter in der Probezeit

Lernen Sie die Unternehmenskultur kennen!

Wie empfinden Sie die Umgangsformen in dem Unternehmen, was können Sie über die Unternehmenskultur in Erfahrung bringen? In diesem Bereich gibt es massive Unterschiede zwischen zum Beispiel international agierenden Firmen (Global Player), mittelständischen Unternehmen und kleinen Familienbetrieben. In allen Firmen gilt aber: In der Probezeit stehen insbesondere Ihre soziale Kompetenz, Ihre Teamfähigkeit und kommunikative Fähigkeiten unter Beobachtung.

So überzeugen Sie im Job-Alltag!

Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer und beobachten Sie. Versuchen Sie, die Arbeitsabläufe in Ihrem neuen Unternehmen möglichst schnell zu begreifen und sich gewinnbringend einzubringen. Zögern Sie nicht, auch kleinste Aufgaben motiviert zu übernehmen und auszuführen. Lassen Sie sich aber nicht von Ihrem Eifer, all Ihre (sicherlich innovativen) Ideen und Visionen für die Firma zu präsentieren, übermannen. Lernen Sie zunächst Kollegen, die täglichen Arbeitsabläufe und die Unternehmenskultur besser kennen. Tipp: Suchen Sie in regelmäßigen Abständen Beurteilungsgespräche mit Ihrem direkten Vorgesetzten.

Mann in Probezeit hört aufmerksam zu

Das sollten Sie vermeiden!

  • Unhöflichkeit, sei es gegenüber Kollegen, Vorgesetzten oder auch externen Dienstleistern
  • Vermeiden Sie Übereifer!
  • Unpünktlichkeit wird Ihre Chancen auf eine Übernahme nach der Probezeit in eine unbefristete Anstellung nicht gerade erhöhen.
  • Verzichten Sie auf permanente Kritik am Unternehmen und an Arbeitsabläufen.
  • Fragen Sie sich: Kommen Sie mit Ihrer Art vielleicht zu altklug daher? Weisen Sie öfters konstruktive Ratschläge von Kollegen doch etwas zu arrogant zurück?
  • Seien Sie in der Probezeit nicht zu kontakt- und auskunftsfreudig. Niemand möchte sofort alle Details aus Ihrem Privatleben und Smalltalk-News aus Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn erfahren.
  • Das leidige Thema: Die Fehlzeiten in der Probezeit – am häufigsten werden Krankschreibungen als Ursache aufgeführt. Natürlich geht Ihre Gesundheit vor. Bei zum Beispiel einer schweren Grippe sollten Sie Rücksprache mit der Personalabteilung halten. Wichtig ist aber: Regelmäßige Fehlzeiten beziehungsweise zu häufiges Fehlen in der Probezeit hinterlässt ein eher negatives Image bei der Personalabteilung.
  • Ein weiteres kompliziertes Thema sind Ihre (durchaus berechtigten) Urlaubstage. Ob Ihnen bereits in der Probezeit einzelne Urlaubstag zustehen, sollten Sie am besten vorab in einem Gespräch mit Ihren Vorgesetzten oder der Personalabteilung regeln. Kein Unternehmen sieht es jedoch gerne, wenn die Urlaubsfrage in den ersten Tagen zur Priorität erhoben wird – hier signalisiert der Bewerber: Meine Motivation ist gering, mein Einsatz für das Unternehmen wird sich in Grenzen halten.

Sie wollen in der Probezeit kündigen?

In der Regel können beide Vertragspartner eine Kündigung aussprechen, die innerhalb von 14 Tagen wirksam ist. Diese Kündigung kann auch am letzten Arbeitstag der Probezeit „überreicht“ werden. Sollten Sie als Arbeitnehmer kündigen, seien Sie auf eine einvernehmliche Trennung bedacht. Der Spruch „Man trifft sich immer zweimal“ gehört nicht ohne Grund im Jobleben zu den Top-Weisheiten.

Die Probezeit nähert sich dem Ende. Sind Sie zufrieden, glücklich nach all den Erfahrungen in Ihrem neuen Job? Oder sind Sie emotional immer noch hin- und hergerissen –vielleicht wartet ein weiteres oder neues Job-Angebot auf Sie? Tipp: Machen Sie eine Checkliste.

  • Macht Ihnen die Arbeit in dem neuen Unternehmen Spaß? Haben Sie Sich als Berufsanfänger Ihren Job so vorgestellt?
  • Bietet das Thema Ihrer Arbeit und die Branche Ihnen wirklich Ihren Traumjob?
  • Fühlen Sie sich wohl in dem Team? Oder gibt es Kollegen, die sogar zu Methoden wie „Mobbing“ greifen?
  • Können Sie Ihre Fähigkeiten wie erhofft einsetzen?
  • Haben Sie dazugelernt? Oder fühlen Sie sich unterfordert – und langweilen sich deswegen?
  • Sind Sie mit den Arbeitszeiten zufrieden?
  • Wie kommen Sie mit Ihren direkten Vorgesetzten zurecht?
  • Sie haben Ihre Arbeit nun kennengelernt – ist das vereinbarte Gehalt adäquat?
  • Was für Einsichten haben Sie in der Probezeit über das Unternehmen gewinnen können? Ist es wirtschaftlich erfolgreich, besteht eine Zukunft für Sie? Oder droht eventuell eine Insolvenz? Bei einem StartUp – soll es vielleicht an ein internationales Unternehmen verkauft werden?

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